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„Hilfe, ich habe keinen Überblick mehr“ Teil 3

Donnerstag, den 9. August 2007 von Harald v. Trotha
Kategorie: Controlling, Finanzierung, Gründung

Was bisher geschah:

Im Mittelpunkt meines heutigen Besuchs bei der Praxis für Gesundheitsdienstleistung steht die Liquiditätssituation. Dazu ist eine tagesaktuelle Aufstellung von Forderungen und Verbindlichkeiten und deren Bewertung erforderlich. Da keine Liquiditätsplanung oder Status vorliegen, beginnen wir zunächst mit einer Schätzung: Bankverbindlichkeiten ca. 100 T€, laufende Verbindlichkeiten ca. 40 T€, Forderungen ca. 1,5 T€, private Verbindlichkeiten X € (lassen wir hier einfach mal weg).

Nächste Fragen: Welche Gläubiger betreiben welche Maßnahmen zur Eintreibung Ihrer Forderungen?

  • Vermieter ? mehrere Monate Rückstand, wiederholte Mahnschreiben, am Telefon keine Verhandlungsbereitschaft mehr, droht damit, die Schlösser auszuwechseln, und zwar morgen (!).
  • Bank ? laufender Kontokorrentkredit ist um 50 % überzogen; Zahlungen, Lastschriften u.ä. werden nicht mehr ausgeführt, Geschäfte werden teilweise über andere Konten abgewickelt (?!), die geringen Zahlungseingänge sind für das laufende Geschäft nicht frei verfügbar.
  • Lieferanten ? Laufende Lieferanten bestehen quasi nicht, alte Verbindlichkeiten werden von diesen mit unterschiedlichen Mahnstufen und vereinzelten Mahnbescheiden verfolgt. Die Post ist teilweise noch ungeöffnet.
  • Sozialversicherungen ? Erst mal keine Probleme, da es ja keine Angestellten gibt. Aber, ungeöffnete Post von der Deutschen Rentenversicherung. Achtung: Ich-AG geförderte Selbständige sind im Förderzeitraum rentenversicherungspflichtig! In unserem Falle wurde nie etwas bezahlt, die unmittelbare Pfändung wird angedroht, dem Arbeitsamt wurde der Sachverhalt gemeldet.
  • Versicherungen ? Diverse, auch ungeöffnete Schreiben; diverse Versicherungen (PKW/Berufshaftpflicht/ Sachversicherung/) wurden nicht oder nicht mehr bezahlt. Die Versicherer drohen mit dem Entzug des Versicherungsschutzes, soweit er überhaupt zustande kam.
  • Gerichtsverfahren ? Diverse, auch ungeöffnete Schreiben; aus einem erfolgreich abgeschlossenen Gerichtsverfahren liegt der Antrag auf Abgabe der Eidesstattlichen Versicherung vor. Die ursprünglich gewährte Prozesskostenbeihilfe wurde nachträglich abgelehnt, da die Bedürftigkeit nicht nachgewiesen wurde : „Mangelnde Mitwirkung“ da die Post nicht gelesen worden war.
  • Finanzamt ? Keine laufenden Forderungen, da Gesundheitsdienstleistung keiner USt. unterliegen, Einkommenssteuer wurde bisher nicht erklärt.
  • Persönlicher Lebensunterhalt ? Seit Monaten werden aus der Kasse Minimalbeträge (50,- € u.ä.) entnommen. Mehr ist nicht drin.

Wir nehmen uns 4 Stunden Zeit und ordnen die teilweise noch ungeöffnete Post der letzten Monate nach Vorgang und Datum. So schaffen wir an diesem Abend einen Überblick über die Verbindlichkeiten und deren Dringlichkeit. Die abschließende Liste bestätigt die grobe Schätzung von ca. 40 T€ laufender Verbindlichkeiten erstaunlich genau, unsere Unternehmerin hatte ein gutes Gefühl. Privat oder geschäftlich veranlasste Dinge lassen sich nicht mehr eindeutig trennen, die ältesten Verbindlichkeiten sind noch aus der Zeit vor der Geschäftseröffnung. Nun ist guter Rat teuer, wir werden erst einmal darüber schlafen und hoffen, dass morgen die Schlösser noch nicht ausgetauscht sind.

Tschüss, Fortsetzung folgt.

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