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„Hilfe, ich habe keinen Überblick mehr“ (letzter Teil)

Donnerstag, den 6. September 2007 von Harald v. Trotha
Kategorie: Controlling, Finanzierung, Gründung

Was bisher geschah:

Unser letztes Treffen liegt nun einige Tage zurück und der Nebel hat sich weitgehend gelichtet. Der Vermieter hat seine Zusage eingehalten, der Banktermin steht für übermorgen um 14:30 Uhr.
Die Unternehmerin hat in den letzten Tagen ihre Monatszahlen erstmals analysiert: die operative Liquiditätslücke beträgt derzeit monatlich mind. 3.000 € ohne die Tilgung von Krediten, Verbindlichkeiten und sonstigen Rückständen. Der langfristig liquide Bedarf von > 7.000 € / Monat ist bei einem Erlös von ca. 40 € / Std. nicht mit eigener Hände Arbeit zu erzielen. Bei einer Tasse Kaffee beraten wir über die Handlungsoptionen:

zu 1.: „Weiter so“, scheidet für die Unternehmerin aus, sie glaubt nicht mehr an einen Erfolg aus eigener Kraft, und sie hält das auch persönlich nicht mehr länger durch.

zu 2.: „Frische Liquidität“, scheidet weitgehend aus, da der Bedarf bei ca. 3.000 € monatlich + Investitionen in’s Marketing + Stillhalten der Gläubiger liegt oder einen Vergleichsvorschlag erfordert und später zusätzlich getilgt werden müsste. Persönliche Reserven sind vollständig aufgebraucht, weitere Geldgeber sind nicht in Sicht.

zu 3.: „Ein teilweiser oder vollständiger Verzicht aller Gläubiger“, reicht wegen der verbleibenden Liquiditätslücke nicht aus.

zu 4.: „Weiter arbeiten und Partner finden“ ist langfristig die einzig richtige Lösung, da nur diese eine wirtschaftliche Auslastung schaffen könnte (Anmerkung: so stand’s auch im Businessplan). Angesichts der Dauer zur Umsetzung dieser Lösung (optimistisch ca. 3-6 Monate) und dem Aufwand für Suche u.ä. von mehreren Tausend € ist es für diese Lösung nun zu spät.

zu 5.: Für den „Unternehmenskauf“ gilt Ähnliches, wie für 4., und eine vollständige, persönliche Entschuldung ist zudem nicht mehr zu erwarten.

zu 6.: Alle denkbaren Kombinationen aus 2. – 5. erfordern liquide Mittel und mindestens mehrere Wochen Zeit, beides ist nicht mehr vorhanden.

zu 7.: Es bleibt die bittere Lösung, das Geschäft aufzugeben und einen persönlichen Neuanfang zu suchen.

Enttäuscht stellt die Unternehmerin außerdem nun fest, dass sich ihr persönlichen Ziele einer „sicheren“ Existenz mit einem angemessenen Auskommen nicht mehr erreichen lassen.

Wir besprechen die weiteren Schritte im Umgang mit der Hausbank, dem Vermieter und die Chancen eines Neuanfangs. Dabei kommt auch die Diskussion über die möglichen Gründe dieser Schieflage nicht zu kurz. Klar wird, dass eine frühzeitige Begleitung dieser Gründung viele Fehlentwicklungen erkennen und hätte verhindern können.

Mit entschlossenem Handeln wird die Unternehmerin wieder Boden unter die Füße bekommen, ich wünsche viel Erfolg dabei.

Kommentare

  • Hartmut Krüger

    Eine sehr gute Darstellung eines leider schon häufigen Ablaufes einer Gründung. Eigentlich schade, denn angehende Gründer haben während und auch nach der Gründung viele Möglichkeiten sich ihren „persönlichen Unternehmercoach“ an die Seite zu nehmen. Durch regelmäßiges Coaching brauchen viele Umstände erst gar nicht eintreffen.

  • „Eigentlich schade, denn angehende Gründer haben während und auch nach der Gründung viele Möglichkeiten sich ihren “persönlichen Unternehmercoach” an die Seite zu nehmen.“

    Ist das so?! Schließlich will auch der Coach bezahlt werden.

    Welche Wege gibt es denn, Liquiditätsprobleme und kostenpflichtiges Coaching unter einen Hut zu bringen?

  • Harald v. Trotha

    Hallo, WebWork,

    vielen Dank für die Hinweise bzw. Fragen.
    Wir arbeiten alle viel für Gründer und Liquidität spielt dabei ganz häufig ein zentrale Rolle.
    Für Gründer gibt es seit diesem Jahr eine Angebot der KfW http://www.gruender-coaching-deutschland.de. Hier werde 50-70 % der Kosten bezuschusst.
    Für Berlin gibt es noch TCC und KCC der IBB, dies in anfangs kostenlos und dann stark subventioniert.
    Schließlich gibt es noch Hilfen von der Arbeitsagentur, wird für uns Caoches aber sehr schlecht bezahlt.

    Insgesamt ist Coaching aber immer noch die preiswerteste Hilfe, da sie stundenweise abgerechnet wird. Häufig reichen 1-2 regelmäßig Termine im Monat und der Nutzen ist weit höher als die Kosten, dies zeigt das obrige Beispiel.

    Abschließend noch ein weiterer Hinweis: Wir können auch teilweise auf Erfolgsbasis arbeiten, dann muss aber auch für uns Coaches Chance und Risiko ausgeglichen sein.

    Weiter Fragen beantworte ich gerne.

    Gruß und viel Erfolg
    Harald v. Trotha

  • Hallo Herr Trotha,

    ich bin angenehm überrascht: denn anscheindend hat diese Förderung ausnahmsweise keine bürokratischen Haken.

    Aber so ganz kann ich das noch nicht glauben. Sind denn wirklich die einzigen Bedingungen, dass man vor weniger als 5 Jahren gegründet hat, es um einen Vollexistenz geht und man sonst keine Förderung erhalten hat?

    Kein weiterer Haken? Kein aber? …und das obwohl das Programm von der KfW kommt?
    Das bin ich von denen gar nicht gewohnt – deshalb bin ich so skeptisch…

    Davon abgesehen: ich will nicht bestreiten, dass sich ein Coaching in (fast) jedem Fall lohnt; selbst dann wenn man die Kosten selbst vollständig tragen muss. Trotzdem können ein paar hundert Euro Eigenanteil pro Monat für so manchen Jungunternehmer ein großes Liquiditäts-Problem darstellen.

    Grüße aus Aachen
    Ansgar Offermanns

  • Michael Häfelinger

    Hallo Herr Offermanns,

    in der Tat hält sich beim Gründercoaching der KfW für Sie als Beantragendem der bürokratische Aufwand in sehr überschaubaren Grenzen. Offensichtlich wird wegen der nicht unerheblichen Eigenbeteiligung – in Ihrem westdeutschen Falle 50% – auf ein umfassendes inhaltliches Prüfungsprocedere weitgehend verzichtet. Sie sind lediglich verpflichtet, die entsprechenden Unterlagen fristgerecht einzureichen. Den Coachingbericht am Ende erstellt der Coach.
    Gründe für eine Ablehnung liegen lediglich in der Berufssparte, denn Berufe wie Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer sind nicht förderfähig.

    Ansonsten sind die Erfahrungen der Coachees bei der Beantragung in der Tat: „alles ganz einfach“.

    Viele Grüße

    Michael Häfelinger

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