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Die erste iPhone-Präsentation nach Steve Jobs – das Ende einer Marketing-Philosophie

Mittwoch, den 5. Oktober 2011 von Michael Häfelinger
Kategorie: Marketing

Die erste ernsthafte Produkt-Präsentation nach dem Ausscheiden von Steve Jobs stand unter hohen Erwartungen. Würde Apple beim neuen iPhone mit chicen technischen Spielereien und tollem Design weiterhin der Konkurrenz Angst und Schrecken einjagen? Um es vorweg zu nehmen: Die inhaltliche Präsentation enttäuschte auf ganzer Linie. Aus meiner Sicht hätte es kaum deutlicher werden können, wie sehr Apple von Steve Jobs abhängig ist – und wie schnell der Vorsprung aufgebraucht sein wird.

Die First Mover-Strategie von Apple-Gründer Steve Jobs

Die Präsentationen von Steve Jobs müssen der Konkurrenz jedesmal Schweißperlen auf die Stirn gezaubert haben. Perfekt inszeniert wurden die Produkte immer wieder Meilensteine in Design und Funktionalität. Auch wenn sich über Geschmack bekanntlich trefflich streiten lässt, so sind die in der Süddeutschen Zeitung vorgestellten Computer allesamt Technik-Objekte, die weit über die reine Computer-Welt hinaus Design-Standards setzten. Erinnert sei nun an die Bonbon-Farben, die einem nach dem Erscheinen des iMac Ende der 90er Jahre überall entgegenschrien. Das i vor dem Produktnamen wurde zum Marken-Zeichen für erfolgreiche Angriffe auf Märkte außerhalb der Computerwelt:

  • der MP3-Player iPod (2001),
  • das Download-Portal iTunes (2003),
  • das Handy iPhone (2007)
  • das Netbook iPad (2010)

Die Produkte versprechen über die Technik- und Design-Neuigkeiten aber unbedingt das Image des technisch ganz weit vorne Stehenden. Das hat natürlich seinen Preis. Nur über dieses Markenimage sind die Preise erklärbar, denn am Ende sind die Neuerungen zwar chic, aber werden von der Konkurrenz schnell aufgeholt. Es ist der typische Vorteil des „first movers„, der Ruf immer vorne zu sein, der am Markt hohe Preise durchsetzen kann – noch so eine Botschaft: „Apple muss man sich leisten können“. Und all die kritischen Stimmen zum Umgang mit sensiblen Kundendaten (Bsp. das Speichern von Bewegungsdaten im iPhone), das Binden der Kunden an geschlossene Markenwelten (bsp. iTunes) etc.pp. werden von einer kritiklosen Nerdmasse weggewischt.

Es ist das Vermächtnis von „iGod“ Steve Jobs‘ „First mover“-Strategie: Wir sind technisch immer vorn, dann bezahlen genug Menschen unsere Preise und wir haben Fans, die uns gegen lästige Nachfragen verteidigen.

Der Verrat der Nachfolger

Und nun? Der Spiegel hatte bereits gezweifelt, ob das „zeitweilig wertvollste Unternehmen der Welt ohne seinen genialen Guru ähnlich erfolgreich sein“ kann. Die Latte lag hoch für den Nachfolger Tim Cook.

Aus meiner Sicht wurde die Präsentation des neuen iPhone ein Desaster. Wer nach 15 Monaten Wartezeit das iPhone 5 erwartete, sah sich enttäuscht. Es wurde ein Update des iPhone 4. Das Design wurde überhaupt nicht angerührt, es wurde ein schnellerer Prozessor und eine bessere Kamera verbaut. Ein fataler Fehler, wenn das Geheimnis des Verkaufseffekts in einem erkennbaren „Ich habe das Neueste vom Neuen“ liegt. Technische Neuerungen sind

  • die Integration der iCloud
  • das Spracherkennungsprogramm Siri (Wo ist eigentlich das „i“  geblieben?),
  • das Lokalisierungsprogramm „FindMyFriends“
  • und ein paar mehr oder weniger belanglose Apps.

That’s all, folks?

Steve Jobs dürfte sich mir Grausen gewendet haben. Von außen nicht zu erkennen, lediglich die Integration bestehender Technologie, als Highlight die Spracherkennung, an der seit Jahrzehnten mit wenig überzeugendem weil mit hohem Trainingsaufwand verbundenen Erfolg weltweit gearbeitet wird. Die soll dann auch noch meine Fragen inhaltlich verstehen? Der Nachweis, dass die aktuelle Technik nicht verstehen kann (denn das würde künstliche Intelligenz voraussetzen), ist hinreichend erbracht worden. Es ist also mit erheblichen technischen Schwierigkeiten zu rechnen.

Aber dann: Ein niedriger Preis! Die letzte Bastion fällt. Statt auf unbedingte Qualitätsführerschaft um jeden Preis setzt Apple auf eine Preisoffensive für ein typisch aufgehübschtes Produkt.

Damit verraten die Nachfolger Steve Jobs‘ Prinzipien – und läuten damit das Ende der Ära Apple ein. Wenn es nicht gelingt das Ruder herumzureißen, wird sich Apple so sehr schnell in die Reihe anderer Produzenten einreihen.

 

P.S.: Die heutige Nachricht von seinem Tod macht aus diesem Artikel meinen persönlichen Nachruf auf Steve Jobs. De mortuis nihil nisi bene.

Kommentare

  • Es hätte bei Apple auch nicht ewig bergauf gehen können. Wenn das Unternehmen sein Niveau noch einige Jahre halten kann, muss man es feiern. Technischer Fortschritt ist keine steigende Linie sondern eine Kurve und Jobs hat viel Glück gehabt als er auf die richtigen Features gesetzt hat. Jobs hat die Firma exklusiv gemacht weil es keine Konkurrenz gab – mit Konkurrenz muss auch die Strategie wechseln.

  • Hallo Maik,

    ewig der erste mit signifikanten Neuerungen zu sein, ist sicherlich schwer, denn die abflachende (Grenznutzen-)Kurve gilt bei allen neuen Entwicklungen. Weil das im Computermarkt irgendwann kaum machbar war, hat sich Apple meiner Interpretation nach auch auf Bereiche verlagert, wo das gut möglich war (z.B. MP3-Player). Ein Strategiewechsel tut in den „abgeernteten Feldern“ der Tat vielleicht Not (z.B. noch mehr Design statt Technik). Aber diese Präsentation ohne ein iPhone 5 war meiner Meinung nach schlicht viel zu wenig.

    Viele Grüße

    Michael Häfelinger

  • Tolle Seite, gefaellt mir sehr.

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