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Dimensionen der Zeit III: Intersubjektive Zeit

Donnerstag, den 28. Januar 2010 von Michael Häfelinger
Kategorie: Organisation, Selbst- und Zeitmanagement

In den letzten beiden Beiträgen habe ich aus den Betrachtungen von Alfred Schütz und Thomas Luckmann die Weltzeit und die subjektive Zeit vorgestellt. Da es beiden Autoren um die sozialphilosophischen Dimensionen der Lebenswelt geht, darf ein Dimension nicht fehlen: Die intersubjektive Zeit, die von anderen Autoren schlicht soziale Zeit genannt wird.

c) intersubjektive Zeit

Die Erfahrung der sozialen Zeit

Intersubjektive Zeit ist im Alltagsleben die gemeinsame Zeit. Wenn zwei oder mehr Individuen in soziale Interaktion treten wollen, ist die Synchronisation ihrer individuellen Rythmen – ihre subjektiven Zeiten – zwingende Voraussetzung. Anders gesagt: Damit gemeinsames Leben möglich wird, müssen die handelnden Subjekte ihre Zeit aufeinander abstimmen.

Folglich wird die intersubjektive Zeit als Anpassung an die Rhythmen eines Einzelnen oder der sozialen Umwelt allgemein erfahren. Dabei sind zwei Arten von Abstimmung möglich:

  • die grundlegende Koordination ist die direkt vereinbarte Synchronisierung der Rhythmen, der „Bewusstseinsströme“, wie Schütz und Luckmann sagen. Diese Form erfolgt in der direkten Synchronisation der Rythmen mit einem Gegenüber, wir „schwingen uns ein“. Wir machen jetzt was zusammen, machen dann eine gemeinsame Pause, um danach nochmal was zu machen und uns schließlich der völligen Entspannung hinzugeben. Manchmal ist im Urlaub zu beobachten, dass das Zusammenleben auch ohne uhrzeitliche Koordination funktionieren kann.
  • die abgeleitete Form drückt sich genau in Uhrzeit und Kalender aus. Die grundlegende Koordination auf der inter-individuellen Ebene wird zwecks effizienter Organisation größerer Zusammenhänge – des gesellschaftlichen Handelns – durch sozial objektvierte Zeitkategorien abgelöst. Die Abstimmung wird mit Hilfe vorgefertigter anonymer und abstrakter Kategorien geleistet, die die Zeit für jedermann gliedert. Soziale Interaktion (auch die unmittelbare soziale Interaktion) wird durch sozial objektivierte, abstrakte Kategorien der Zeit gegliedert.

Bei der abgeleiteten intersubjektiven Zeit handelt es sich aber um Vereinbarungen. Warum hat ein Tag 2×12 Stunden? Weil wir uns darauf verständigt haben. Warum sollen wir am siebten Tage ruhen? Weil es so über die Bibel vereinbart wurde und sich scheinbar bewährt hat. Aber: Warum beginnt eigentlich ein neuer Tag mitten in der Nacht? Oder haben Sie sich nie gefragt, wie es eigentlich  zu dieser doch ziemlich abstrusen Kalendereinteilung kam? 365 Tage (Weltzeit Jahreslänge) ließen sich doch zum Beispiel viel leichter als 5 Tage-Wochen gliedern. Dann hätte das Jahr 73 Wochen, man könnte dann das Jahr in neun 8-Wochen-Abschnitte plus eine Weihnachtswoche gliedern. Jeder Monat begänne mit einem Montag, der 5., der 10. usw. wären die Freitage und all das sehr oft gehörte „was ist der 24. für ein Tag?“ entfiele. Das wäre zugegebenermaßen langweiliger, aber effizienter.

Sind diese Kategorien erst einmal in einem gesellschaftlichen Wissensvorrat verfügbar, werden sie gewohnheitsmäßig an andere Gesellschaftsmitglieder weitervermittelt. Damit kann soziale Interaktion ohne die ursprüngliche „Synchronisierung der Bewusstseinsströme“ koordiniert werden. Die Rhythmen der subjektiven Zeit, die diese Synchronisierung „mit Leben beseelen“, können nun vernachlässigt werden. Die Arbeit beginnt um acht, also hat sich das Individuum mit seinen Rhythmen darauf einzustellen.

Die Folgen für die (Selbst-)Organisation

Was augenfällig ist: Insbesondere die abgeleitete Form der sozialen Zeit ist Fremdsteuerung. Wenn ich – obwohl ich eigentlich eine Nachteule bin – morgens um sieben zur Arbeit muss, ist das genauso gegen meine Rythmen wie für den Tagmenschen, wenn Ausgehzeiten erst um 24 Uhr beginnen.

Um mit den individuellen Leistungskurven – nicht viel anderes sind Schütz‘ und Luckmanns Bewusstseinsströme – effizient umzugehen, sollte ich den Individuen die Möglichkeit geben, ihre sozialen Zeiten entsprechend ihrer Präferenzen zu organisieren. Gleitzeit ist bspw. unter diesem Aspekt ein unbedingt richtiger Weg gegenüber starren Arbeitszeitregelungen. Aber haben Sie in Ihrem Betrieb die Möglichkeit, dass Mitarbeiter oder Sie als Chef sich für ein Nickerchen ausklinken können, wenn Sie mal nicht fit sind?

Derlei Möglichkeiten gibt es viele. Ich würde das Forum für spannende Vorschläge gerne nutzen – also bitte ran an die Tastatur!

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